Nachbericht RHET AI Tag 2025 – Karlsruhe

Das Jahr 2025 begann für das RHET AI Team mit dem tra­di­tio­nel­len RHET AI Tag – einer Gele­gen­heit, sich über Units hin­weg aus­zu­tau­schen, neue Team­mit­glie­der ken­nen­zu­ler­nen und stra­te­gi­sche Wei­chen für die kom­men­den Mona­te zu stel­len. In Karls­ru­he, mit vir­tu­el­ler Betei­li­gung aus Tübin­gen und Ber­lin, reflek­tier­ten wir über Erfol­ge des ver­gan­ge­nen Jah­res und ent­wi­ckel­ten neue For­schungs- und Kommunikationsstrategien.

Kreativer Auftakt

Zum Ein­stieg befass­ten wir uns spie­le­risch mit futu­ris­ti­schen KI-Begrif­fen aus dem Jahr 2085. Dazu zähl­ten etwa "Meta­netz­werk", "Kogni­chipz", "Meta­Mor­phing", "Quan­ten­ko­gni­ti­on", "Syn­ap­tro­nik" – oder auch der "kogni­ti­ve Vaku­um­zu­stand", der fol­gen­der­ma­ßen defi­niert wurde:

"Kogni­ti­ver Vaku­um­zu­stand, der:
Tem­po­rä­rer Zustand psy­chi­scher Sys­te­me, her­vor­ge­ru­fen durch Über­nut­zung von
Arti­fi­ci­al Gene­ral Intel­li­gence (AGI). Pri­mär­ef­fekt ist eine signi­fi­kan­te Ein­schrän­kung krea­ti­ver Poten­tia­le, die unter gewis­sen Umstän­den zu einem Zusam­men­bruch des atten­tio­na­len Fel­des füh­ren kann. Auf­fäl­lig­keit: Der Zustand ist für das betrof­fe­ne Sys­tem refle­xiv nicht ein­seh­bar. Dar­über hin­aus lie­gen zahl­rei­che Hin­wei­se auf Anste­ckungs­ge­fahr vor, aller­dings gibt es kei­ne belast­ba­ren Anhalts­punk­te hin­sicht­lich mög­li­cher Über­tra­gungs­we­ge."
A surreal and abstract digital artwork depicting the concept of 'cognitive vacuum state.' The image features a human silhouette or head with an empty, floating space where the brain should be—represented as a dark abyss, a swirling nebula, or an interstellar void. Around the figure, distorted clocks, dissolving letters, and fragmented memories float, symbolizing the absence of thoughts or orientation. The color scheme is moody with cool blues and purples, accented by soft light reflections to create a mysterious atmosphere. A subtle blur or motion effect enhances the sense of mental emptiness and instability.
Kogni­ti­ver Vaku­um­zu­stand, KI-gene­riert mit DALL·E.

Rückblick und Highlights 2024

Olaf Kra­mer resü­mier­te das ver­gan­ge­ne Jahr, geprägt durch inter­na­tio­na­le Ver­net­zung und span­nen­de Ver­an­stal­tun­gen. Beson­ders ein­drück­lich war die Teil­nah­me an der Tagung Alpha Per­sua­de in Los Ange­les, wo er über den inter­ak­ti­ven Ein­satz von Robo­tern berich­te­te und deren zuneh­men­de gesell­schaft­li­che Akzep­tanz beob­ach­te­te. Die neu eta­blier­te Koope­ra­ti­on mit der Sta­te Uni­ver­si­ty of New York at Stony Brook und dem Cen­ter for Huma­ne Tech­no­lo­gy bil­det den Grund­stein für eine lang­fris­ti­ge trans­at­lan­ti­sche Zusammenarbeit.

Ein wei­te­res High­light war das Ver­net­zungs­tref­fen der von der Volks­wa­gen­stif­tung geför­der­ten Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­tren in Kiel. Hier wur­den Per­spek­ti­ven aus­ge­tauscht, Kon­tak­te geknüpft und Stra­te­gien für die Zukunft ent­wi­ckelt. Zudem wur­de der Bürger:innenrat KI und Frei­heit als inno­va­ti­ves Betei­li­gungs­for­mat eta­bliert, des­sen Emp­feh­lun­gen bald dem Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst vor­ge­stellt werden.

Auch die ers­te Per­sua­si­ve Algo­rith­ms-Tagung in Tübin­gen erwies sich als vol­ler Erfolg. Die inter­na­tio­na­le Betei­li­gung ermög­lich­te tief­ge­hen­de Dis­kus­sio­nen über KI und Ent­schei­dungs­fin­dung. Ein wei­te­res bedeu­ten­des Ereig­nis war die Teil­nah­me eini­ger Team­mit­glie­der am NATO Strat­Com Mee­ting in Riga, wo der Ein­fluss von KI auf Des­in­for­ma­ti­on und öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung erör­tert wurde.

Für einen detail­lier­te­ren Über­blick über unse­re Akti­vi­tä­ten lohnt sich unbe­dingt unser Jah­res­rück­blick, der hier zu lesen ist.

Strategien und Projekte für 2025

Nach die­sem Rück­blick teil­ten die ein­zel­nen Units ihre Plä­ne und Zie­le für das kom­men­de Jahr:

Unit 1 setzt ver­stärkt auf inter­dis­zi­pli­nä­re Koope­ra­tio­nen zwi­schen Karls­ru­he und Tübin­gen. Beson­ders hob das Team die Teil­nah­me von Anna Hen­schel beim JIR-Pro­gramm als High­light her­vor, die mit ihrer For­schung zu effek­ti­vie­ren Meta­phern für das Spre­chen über Künst­li­che Intel­li­genz den Dia­log zwi­schen KI-For­schen­den und Geisteswissenschaftler:innen förderte.

Geplant ist momen­tan außer­dem die wis­sen­schaft­li­che Doku­men­ta­ti­on des For­mats der Arti­fi­ci­al Fridays.

Ein beson­de­rer Erfolg war das Ein­rei­chen des Manu­skripts ihrer Publi­ka­ti­on über die Black Box am RHET AI Tag – herz­li­chen Glück­wunsch an das Team!

Com­ple­ted! Thank you for uploa­ding your manuscript… 

Unit 2 hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr eben­falls maß­geb­lich mit Publi­ka­tio­nen beschäf­tigt: Sie hat erfolg­reich die Orga­ni­sa­ti­on und das Erstel­len unse­res Sam­mel­bands vor­an­ge­trie­ben, für den unit­über­grei­fend zahl­rei­che Arti­kel aus den ver­schie­de­nen For­schungs­ge­bie­ten und Per­spek­ti­ven am RHET AI Cen­ter ent­stan­den sind – man­che davon bereits als Pre­prints ein­seh­bar. Auch die poli­ti­schen Ver­schrän­kun­gen zwi­schen Indus­trie und Faschis­mus (Des­in­for­ma­ti­on, Social Media Platt­for­men, Ver­brei­tung und Repro­duk­ti­on von bei­spiels­wei­se Miso­gy­nie und Ras­sis­mus) beschäf­ti­gen das Team die­ses Jahr. Außer­dem hat die Unit ein Panel zum The­ma "Künst­li­che Intel­li­genz und Epis­te­mi­sche Unge­rech­tig­keit: Ungleich ver­teil­tes Wis­sen, ungleich ver­teil­te Macht" für die dies­jäh­ri­ge Jah­res­ta­gung der Gesell­schaft für Medi­en­wis­sen­schaft eingereicht.

Unit 3 berich­te­te von ihrem Vor­ha­ben einer Ana­ly­se von 20 „nor­mier­ten“ Work­shops zu KI-Nut­zung in Volks­hoch­schu­len. Die Work­shops wer­den als vier­stün­di­ge Trai­nings vor Ort in den jewei­li­gen Volks­hoch­schu­len vom Team der Unit 3 ange­bo­ten. Beforscht wer­den sie von Rafae­la Pfeil beforscht, die seit Okto­ber 2024 neu zum Team dazu­ge­hört. Zudem beschäf­tigt sich die Unit mit der Defi­ni­ti­on von Rhe­to­ri­cal AI Liter­acy und der Fra­ge, wie man ver­schie­de­ne Ziel­grup­pen effek­ti­ver erreicht. Ein wei­te­res Vor­ha­ben der Unit ist der Aus­bau ihrer Koope­ra­ti­on mit dem IWM.

Unit 4 ver­tieft ihre For­schung zu deli­be­ra­ti­ven For­ma­ten und epis­te­mi­scher Unge­rech­tig­keit in der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on. Ziel ist es, Public Enga­ge­ment-Ange­bo­te zu ent­wi­ckeln, die evi­denz-basier­te und sozi­al robus­te Dis­kur­se über KI beför­dern. Leya Safi­an von unse­rem Pra­xis­part­ner Wis­sen­schaft im Dia­log war aus Ber­lin zuge­schal­tet: Sie berich­te­te über das For­mat I’m a Sci­en­tist, des­sen ers­te The­men­run­de für die­ses Jahr gera­de in die Bewer­bungs­pha­se geht und die Fel­der KI und Poli­tik, KI und Bil­dung reich­wei­ten­stark in den Fokus rückt. Abge­lei­tet von dem ande­ren gro­ßen Pro­jekt der Unit 4, dem Bürger:innenrat "KI und Frei­heit", stell­te Patrick Klü­gel wei­te­re mög­li­che The­men­fel­der für die Zukunft vor, bei­spiels­wei­se Metho­den für Deli­be­ra­ti­on und Empower­ment in der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on oder auch das Unter­su­chen der trans­dis­zi­pli­nä­ren Zusam­men­ar­beit zwi­schen For­schen­den und Prak­ti­kern in der Wissenschaftskommunikation.

Unit 5 setzt ihren Fokus auf Com­mon Ground-For­schung und baut ihre Koope­ra­tio­nen mit dem IWM und inter­na­tio­na­len Part­nern aus.

Annet­te Leßm­öll­mann und Moni­ka Hanaus­ka begrü­ßen das RHET AI Team in Karls­ru­he.
Foto: Anna Köh­ler.
Füh­rung durch die Medi­en­stu­di­os des KIT (1). Foto: Anna Köhler
Füh­rung durch die Medi­en­stu­di­os des KIT (2). Foto: Anna Köhler

Austausch und Zukunftsperspektiven

Nach einer Tour durch die ein­drucks­vol­len neu­en Medi­en­stu­di­os des KIT wur­den in Arbeits­grup­pen zen­tra­le Zukunfts­fra­gen für das RHET AI Cen­ter diskutiert:

  1. KI und Poli­tik: Wel­che Rol­le spielt Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on in der poli­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on der För­de­rung von KI-Forschung? 
  2. Tech­ni­sche Anbin­dung und Wis­sen­schaft: Wie kön­nen aktu­el­le wis­sen­schaft­li­che Per­spek­ti­ven stär­ker in Public Enga­ge­ment For­ma­te ein­ge­bun­den werden? 
  3. New Audi­en­ces: Wel­che Kri­te­ri­en defi­nie­ren zukünf­ti­ge Adres­sa­ten unse­rer Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on? Mit wem wol­len wir wie über KI sprechen? 

Der Tag ende­te mit anre­gen­den Dis­kus­sio­nen, viel Moti­va­ti­on und der Vor­freu­de auf kom­men­de Pro­jek­te. Der RHET AI Tag 2025 hat das Team erneut gestärkt und ent­schei­den­de Impul­se für die Zukunft gesetzt.

Gruppenfoto von 13 Menschen, die auf Stufen wie in einem Atrium sitzen.
RHET AI Grup­pen­fo­to im KIT. Foto: RHET AI.