Das Jahr 2025 begann für das RHET AI Team mit dem traditionellen RHET AI Tag – einer Gelegenheit, sich über Units hinweg auszutauschen, neue Teammitglieder kennenzulernen und strategische Weichen für die kommenden Monate zu stellen. In Karlsruhe, mit virtueller Beteiligung aus Tübingen und Berlin, reflektierten wir über Erfolge des vergangenen Jahres und entwickelten neue Forschungs- und Kommunikationsstrategien.
Kreativer Auftakt
Zum Einstieg befassten wir uns spielerisch mit futuristischen KI-Begriffen aus dem Jahr 2085. Dazu zählten etwa "Metanetzwerk", "Kognichipz", "MetaMorphing", "Quantenkognition", "Synaptronik" – oder auch der "kognitive Vakuumzustand", der folgendermaßen definiert wurde:
"Kognitiver Vakuumzustand, der:
Temporärer Zustand psychischer Systeme, hervorgerufen durch Übernutzung von
Artificial General Intelligence (AGI). Primäreffekt ist eine signifikante Einschränkung kreativer Potentiale, die unter gewissen Umständen zu einem Zusammenbruch des attentionalen Feldes führen kann. Auffälligkeit: Der Zustand ist für das betroffene System reflexiv nicht einsehbar. Darüber hinaus liegen zahlreiche Hinweise auf Ansteckungsgefahr vor, allerdings gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte hinsichtlich möglicher Übertragungswege."
Rückblick und Highlights 2024
Olaf Kramer resümierte das vergangene Jahr, geprägt durch internationale Vernetzung und spannende Veranstaltungen. Besonders eindrücklich war die Teilnahme an der Tagung Alpha Persuade in Los Angeles, wo er über den interaktiven Einsatz von Robotern berichtete und deren zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz beobachtete. Die neu etablierte Kooperation mit der State University of New York at Stony Brook und dem Center for Humane Technology bildet den Grundstein für eine langfristige transatlantische Zusammenarbeit.
Ein weiteres Highlight war das Vernetzungstreffen der von der Volkswagenstiftung geförderten Wissenschaftskommunikationszentren in Kiel. Hier wurden Perspektiven ausgetauscht, Kontakte geknüpft und Strategien für die Zukunft entwickelt. Zudem wurde der Bürger:innenrat KI und Freiheit als innovatives Beteiligungsformat etabliert, dessen Empfehlungen bald dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorgestellt werden.
Auch die erste Persuasive Algorithms-Tagung in Tübingen erwies sich als voller Erfolg. Die internationale Beteiligung ermöglichte tiefgehende Diskussionen über KI und Entscheidungsfindung. Ein weiteres bedeutendes Ereignis war die Teilnahme einiger Teammitglieder am NATO StratCom Meeting in Riga, wo der Einfluss von KI auf Desinformation und öffentliche Meinungsbildung erörtert wurde.
Für einen detaillierteren Überblick über unsere Aktivitäten lohnt sich unbedingt unser Jahresrückblick, der hier zu lesen ist.
Strategien und Projekte für 2025
Nach diesem Rückblick teilten die einzelnen Units ihre Pläne und Ziele für das kommende Jahr:
Unit 1 setzt verstärkt auf interdisziplinäre Kooperationen zwischen Karlsruhe und Tübingen. Besonders hob das Team die Teilnahme von Anna Henschel beim JIR-Programm als Highlight hervor, die mit ihrer Forschung zu effektivieren Metaphern für das Sprechen über Künstliche Intelligenz den Dialog zwischen KI-Forschenden und Geisteswissenschaftler:innen förderte.
Geplant ist momentan außerdem die wissenschaftliche Dokumentation des Formats der Artificial Fridays.
Ein besonderer Erfolg war das Einreichen des Manuskripts ihrer Publikation über die Black Box am RHET AI Tag – herzlichen Glückwunsch an das Team!
Unit 2 hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls maßgeblich mit Publikationen beschäftigt: Sie hat erfolgreich die Organisation und das Erstellen unseres Sammelbands vorangetrieben, für den unitübergreifend zahlreiche Artikel aus den verschiedenen Forschungsgebieten und Perspektiven am RHET AI Center entstanden sind – manche davon bereits als Preprints einsehbar. Auch die politischen Verschränkungen zwischen Industrie und Faschismus (Desinformation, Social Media Plattformen, Verbreitung und Reproduktion von beispielsweise Misogynie und Rassismus) beschäftigen das Team dieses Jahr. Außerdem hat die Unit ein Panel zum Thema "Künstliche Intelligenz und Epistemische Ungerechtigkeit: Ungleich verteiltes Wissen, ungleich verteilte Macht" für die diesjährige Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft eingereicht.
Unit 3 berichtete von ihrem Vorhaben einer Analyse von 20 „normierten“ Workshops zu KI-Nutzung in Volkshochschulen. Die Workshops werden als vierstündige Trainings vor Ort in den jeweiligen Volkshochschulen vom Team der Unit 3 angeboten. Beforscht werden sie von Rafaela Pfeil beforscht, die seit Oktober 2024 neu zum Team dazugehört. Zudem beschäftigt sich die Unit mit der Definition von Rhetorical AI Literacy und der Frage, wie man verschiedene Zielgruppen effektiver erreicht. Ein weiteres Vorhaben der Unit ist der Ausbau ihrer Kooperation mit dem IWM.
Unit 4 vertieft ihre Forschung zu deliberativen Formaten und epistemischer Ungerechtigkeit in der Wissenschaftskommunikation. Ziel ist es, Public Engagement-Angebote zu entwickeln, die evidenz-basierte und sozial robuste Diskurse über KI befördern. Leya Safian von unserem Praxispartner Wissenschaft im Dialog war aus Berlin zugeschaltet: Sie berichtete über das Format I’m a Scientist, dessen erste Themenrunde für dieses Jahr gerade in die Bewerbungsphase geht und die Felder KI und Politik, KI und Bildung reichweitenstark in den Fokus rückt. Abgeleitet von dem anderen großen Projekt der Unit 4, dem Bürger:innenrat "KI und Freiheit", stellte Patrick Klügel weitere mögliche Themenfelder für die Zukunft vor, beispielsweise Methoden für Deliberation und Empowerment in der Wissenschaftskommunikation oder auch das Untersuchen der transdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Praktikern in der Wissenschaftskommunikation.
Unit 5 setzt ihren Fokus auf Common Ground-Forschung und baut ihre Kooperationen mit dem IWM und internationalen Partnern aus.
Austausch und Zukunftsperspektiven
Nach einer Tour durch die eindrucksvollen neuen Medienstudios des KIT wurden in Arbeitsgruppen zentrale Zukunftsfragen für das RHET AI Center diskutiert:
- KI und Politik: Welche Rolle spielt Wissenschaftskommunikation in der politischen Legitimation der Förderung von KI-Forschung?
- Technische Anbindung und Wissenschaft: Wie können aktuelle wissenschaftliche Perspektiven stärker in Public Engagement Formate eingebunden werden?
- New Audiences: Welche Kriterien definieren zukünftige Adressaten unserer Wissenschaftskommunikation? Mit wem wollen wir wie über KI sprechen?
Der Tag endete mit anregenden Diskussionen, viel Motivation und der Vorfreude auf kommende Projekte. Der RHET AI Tag 2025 hat das Team erneut gestärkt und entscheidende Impulse für die Zukunft gesetzt.





