Symbolbild: Piktogramm einer vortragenden Person vor einem Publikum.

KI, Rhetorik, Linguistik – Nina Kalwa und Markus Gottschling geben Seminare in Zürich und Tübingen 

Als inter­dis­zi­pli­nä­res For­schungs­zen­trum wol­len wir am RHET AI Cen­ter den fächer­über­grei­fen­den Aus­tausch nicht nur in unse­rer For­schungs­ar­beit pfle­gen, son­dern auch in der uni­ver­si­tä­ren Leh­re. Des­halb boten im Win­ter­se­mes­ter 2024/25 Nina Kal­wa und Mar­kus Gott­sch­ling jeweils ein Semi­nar in Koope­ra­ti­on mit­ein­an­der an. 

Die Teil­neh­men­den aus Nina Kal­was Semi­nar Lin­gu­is­ti­sche und rhe­to­ri­sche Zugrif­fe auf Künst­li­che Intel­li­genz am Lin­gu­is­tik Zen­trum der Uni­ver­si­tät Zürich waren vom 13.–14. Dezem­ber 2024 zu Gast am Semi­nar für All­ge­mei­ne Rhe­to­rik der Uni­ver­si­tät Tübin­gen. Dort tra­fen sie die Stu­die­ren­den aus Mar­kus Gott­sch­lings Semi­nar Rhe­to­ri­sche Per­spek­ti­ven auf KI.  

Bei­de Semi­nar­grup­pen berei­te­ten sich zuvor inten­siv auf den Aus­tausch vor. Nina Kal­was Stu­die­ren­de beschäf­tig­ten sich wäh­rend eines Block­wo­chen­en­des im Okto­ber zunächst mit der lin­gu­is­ti­schen Per­spek­ti­ve auf Künst­li­che Intelligenz: 

KI aus linguistischer Perspektive – ein Einblick in das Zürcher Seminar 

Gene­ra­ti­ve KI ver­wen­det die­sel­ben Zei­chen­sys­te­me, die auch wir Men­schen in unse­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on nut­zen. Bei der Nut­zung von gene­ra­ti­ver KI stellt sich so oft der Ein­druck ein, man wür­de mit der KI "spre­chen". Tat­säch­lich ist gene­ra­ti­ve KI jedoch dar­auf trai­niert, wahr­schein­lich­keits­ba­siert Zei­chen aus­zu­ge­ben, die natür­li­cher Spra­che mög­lichst nahe kom­men. Gleich­zei­tig hat KI auch eine gro­ße gesell­schaft­li­che Rele­vanz, sodass sehr viel über sie gespro­chen wird. Dem­zu­fol­ge kön­nen auch ver­schie­de­ne lin­gu­is­ti­sche Teil­dis­zi­pli­nen zur Be- und Erfor­schung Künst­li­cher Intel­li­genz bei­tra­gen. Das Semi­nar stell­te sich die Fra­ge, ob KI tat­säch­lich eine ähn­li­che sprach­li­che Kom­pe­tenz zuge­schrie­ben wer­den kann wie dem Men­schen. Dazu wur­de For­schungs­li­te­ra­tur her­an­ge­zo­gen und diskutiert. 

In einem nächs­ten Schritt erör­ter­te das Semi­nar, wel­che lin­gu­is­ti­schen Teil­dis­zi­pli­nen kon­kret an der For­schung zu Künst­li­cher Intel­li­genz inter­es­siert sind. Die Stu­die­ren­den arbei­te­ten die Spe­zi­fi­ka unter­schied­li­cher lin­gu­is­ti­scher Teil­dis­zi­pli­nen her­aus und ent­wi­ckel­ten anschlie­ßend poten­zi­el­le Wissenschaftler:innen-Identitäten, die aus ganz unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven zum The­ma KI for­schen. Anschlie­ßend über­leg­ten sich die Semi­nar­teil­neh­men­den eige­ne lin­gu­is­ti­sche For­schungs­fra­gen zum The­ma KI sowie ein eige­nes klei­nes KI-For­schungs­pro­jekt, wel­ches im Dezem­ber den Tübin­ger Stu­die­ren­den prä­sen­tiert wurde. 

Parallel in Tübingen: Die Frage nach KI und Rhetorik 

Die Semi­nar­grup­pe von Mar­kus Gott­sch­ling ging seit Okto­ber in wöchent­li­chen Semi­nar­sit­zun­gen der Fra­ge der rhe­to­ri­schen Per­spek­ti­ven auf KI nach. Für die Rhe­to­rik ist KI ein rele­van­ter For­schungs­ge­gen­stand, weil bei­de – Rhe­to­rik und KI – Spra­che gene­ra­tiv nut­zen und der Ein­fluss von KI-Kom­mu­ni­ka­ti­on auf die Öffent­lich­keit für mas­si­ve Ver­än­de­run­gen in stra­te­gisch-rhe­to­ri­schen Berei­chen sor­gen könn­te. Die­sen Gemein­sam­kei­ten und ihren Fol­gen wur­de im Semi­nar auf den Grund gegangen. 

Dafür setz­ten sich die Semi­nar­teil­neh­men­den inten­siv mit For­schungs­li­te­ra­tur zum The­ma aus­ein­an­der und dis­ku­tier­ten die­se. Dar­über hin­aus besuch­ten die Stu­die­ren­den die Per­sua­si­ve Algo­rith­ms – The Rhe­to­ric of Gene­ra­ti­ve AI-Tagung im Novem­ber 2024, um aktu­el­le For­schung und Fra­ge­stel­lun­gen des The­men­felds KI und Rhe­to­rik beob­ach­ten zu kön­nen. Die­se Beob­ach­tun­gen wur­den anschlie­ßend gemein­sam im wöchent­li­chen Semi­nar dis­ku­tiert. Aus den Hin­ter­grün­den der rezi­pier­ten Lite­ra­tur und der Tagung erstell­ten die Stu­die­ren­den eige­ne Prä­sen­ta­tio­nen als Stel­lung­nah­men zu rhe­to­ri­schen Per­spek­ti­ven auf KI. Die­se prä­sen­tier­ten sie den Züri­cher Stu­die­ren­den am gemein­sa­men Blockseminar-Wochenende. 

Intensiver Austausch beim gemeinsamen Blockseminar 

Im Dezem­ber zahl­te sich die Vor­be­rei­tung der Stu­die­ren­den beim gemein­sa­men Block­se­mi­nar-Wochen­en­de aus, für das die Züri­cher Stu­die­ren­den extra nach Tübin­gen reis­ten. Die Stu­die­ren­den der ein­zel­nen Grup­pen prä­sen­tier­ten ein­an­der die Ergeb­nis­se ihrer theo­re­ti­schen Vor­über­le­gun­gen und For­schungs­an­sät­ze und kamen dar­über ins Gespräch: Schnell wur­den die dis­zi­pli­nä­ren Unter­schie­de der bei­den Fächer und ihr dar­aus resul­tie­ren­der Blick auf KI deut­lich. Und doch konn­ten auch Schnitt­stel­len und mög­li­che gemein­sa­me Zugrif­fe auf das The­ma gut her­aus­ge­ar­bei­tet werden. 

Gut ergänzt haben sich auch die Vor­be­rei­tun­gen der ein­zel­nen Grup­pen. Wäh­rend die Züri­cher Stu­die­ren­den durch ihre eige­nen klei­nen Pra­xis­pro­jek­te und Stu­di­en einen span­nen­den, pra­xis­na­hen Zugang zum The­ma ins Semi­nar ein­brin­gen konn­ten, ergänz­ten die Tübin­ger Stu­die­ren­den den Dis­kurs durch ihr tief­ge­hen­des Theoriewissen. 

Bei so vie­len span­nen­den Ansät­zen blieb selbst an einem gan­zen Wochen­en­de trotz­dem noch zu wenig Zeit, um alle Gedan­ken aus­dis­ku­tie­ren zu kön­nen. Nichts­des­to­trotz schau­en die Teil­neh­men­den und Dozie­ren­den berei­chert und (neu) begeis­tert auf das Semi­nar zurück.