Als Online-Kolloquium ist er gestartet, nun ist aus dem Austauschformat Artificial Friday eine wissenschaftliche Publikation hervorgegangen. Seit 2022 bringt das Linguistik-Kolloquium des KIT und der Uni Tübingen regelmäßig Forschende und an Linguistik und KI Interessierte zusammen, um einen Raum für Austausch und Diskussion zu bieten. In inzwischen über 50 Vorträgen sind dabei nicht nur vielfältige Perspektiven auf Sprache und KI geteilt worden und entstanden, sondern auch ein kontinuierlicher, offener Austausch über einzelne Veranstaltungen hinaus.
Nun erreicht diese Entwicklung eine neue Stufe: Aus dem Kolloquium ist ein Special Issue im Journal für Medienlinguistik (jfml) hervorgegangen. Herausgegeben von Nina Kalwa und Annette Leßmöllmann greift das Journal zentrale Fragestellungen auf, die im Artificial Friday immer wieder diskutiert wurden. Damit wird das ursprünglich dialogische Format durch ein zusätzliches Publikationsformat erweitert, ohne dabei seinen offenen und prozesshaften Charakter zu verlieren. Denn auch das Special Issue ist als Reihe angelegt – Beiträge erscheinen fortlaufend und spiegeln so die Dynamik des zugrunde liegenden wissenschaftlichen Diskurses wider.

Den Auftakt machte Jan Georg Schneider von der RPTU Kaiserslautern-Landau mit seinem Beitrag "Rethinking Reference and Authorship: On the Philosophical Status of LLM-Generated Verbal Products". Er greift darin grundlegende linguistische Fragen auf, die bereits in dem Kolloquium immer wieder auftauchen. Auch die künftigen Beiträge werden an die zentralen Diskussionen des Artificial Fridays anknüpfen und sie in einen theoretisch reflektierten Rahmen überführen.
Besonders bemerkenswert ist, dass das Special Issue bewusst den offenen Geist des ursprünglichen Formats bewahrt: Open Access sorgt dafür, dass die Beiträge frei zugänglich sind, während Open Peer Review Transparenz im wissenschaftlichen Begutachtungsprozess schafft. Damit wird nicht nur Wissen verbreitet, sondern auch der Entstehungsprozess von Forschung sichtbar gemacht – ein Ansatz, der den kollaborativen Charakter des Artificial Friday konsequent weiterführt.
Die Erweiterung vom Kolloquium zur Publikation zeigt, wie fruchtbar kontinuierlicher wissenschaftlicher Austausch sein kann. Was als Diskussionsraum begann, entwickelt sich nun zu einer Plattform, die diese Diskussionen dokumentiert, vertieft und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Das Special Issue ist damit nicht nur ein Ergebnis vergangener Gespräche, sondern zugleich ein Ausgangspunkt für neue.
Wer die Entwicklung des Feldes an der Schnittstelle von Linguistik und KI verfolgen möchte, findet hier in Zukunft alle Veröffentlichungen dieser Reihe verlinkt:
- Jan Georg Schneider (2026): "Rethinking Reference and Authorship: On the Philosophical Status of LLM-Generated Verbal Products" Journal für Medienlinguistik, 8(2), 11–35. https://doi.org/10.21248/jfml.2026.82
Was ist der Artificial Friday?
Der Artificial Friday ist ein Online-Kolloquium, das Forschende und Interessierte aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen zusammenbringt und Künstliche Intelligenz aus linguistischer Perspektive untersucht. Der Fokus liegt auf Austausch und Diskussion. Die Vorträge finden online über Zoom statt, die Teilnahme ist kostenlos.
Weitere Informationen, das aktuelle Programm und Anmeldungsmöglichkeit unter https://artificial-friday.de/