Anfang Oktober 2026 begrüßt das RHET AI gemeinsam mit dem Seminar für Allgemeine Rhetorik Dr. Nana Ariel von der Tel Aviv University in Tübingen. Ihr Besuch findet im Rahmen der Lernreihe „Rhetorik, KI und das Lernen der Zukunft“ statt, die aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz aus rhetorischer und bildungswissenschaftlicher Perspektive in den Blick nimmt. In Vorträgen und Workshops kommen dabei internationale Forschende und Praktiker:innen mit Studierenden und Lehrenden ins Gespräch.
Nana Ariel ist Autorin, Forscherin und Verlegerin und lehrt an der Faculty of Humanities der Universität Tel Aviv. Sie arbeitet zu den Themen Rhetorik und Lernen, materielle Kultur des Buches sowie kritische KI-Forschung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen insbesondere die Veränderungen von Lern‑, Lehr- und Wissenspraktiken an den Übergängen zwischen Theorie und Praxis.
Während ihres Aufenthalts in Tübingen bietet Nana Ariel zwei Veranstaltungen an. Am 1. und 2. Oktober 2026 findet ein zweitägiges Blockseminar für Studierende und Doktorand:innen statt. Unter dem Titel „Machine Talk: What AI Reveals about Conversation“ beschäftigt sich das Seminar mit dem Verhältnis von Gespräch, Sprache und konversationeller KI. Am 6. Oktober 2026 folgt im Institutskolloquium ein öffentlicher Vortrag über Klischees, Originalität und die Zukunft des Schreibens mit Künstlicher Intelligenz.
Wir freuen uns sehr auf den Besuch von Nana Ariel und auf den gemeinsamen Austausch über die rhetorischen und pädagogischen Herausforderungen, die mit generativer KI verbunden sind.
Vortrag im Institutskolloquium
Am 06.10.2026, 18 Uhr c.t., in Raum 119 im Brechtbau / Neuphilologikum (Wilhelmstraße 50) der Universität Tübingen hält Nana Ariel einen Vortrag zu:
„A Bug or a Feature? Clichés and the Future of Writing with AI“
Generative KI hat lang gehegte Befürchtungen hinsichtlich klischeehafter Sprache und des Verlusts von Originalität neu entfacht. In ihrem Vortrag zeichnet Dr. Nana Ariel die Geschichte des Klischees von der antiken Rhetorik bis zur generativen KI nach und geht der Frage nach, ob Klischees ein Fehler maschinell erzeugter Sprache oder vielmehr ein grundlegendes Merkmal menschlichen Sprachgebrauchs sind. Dabei untersucht sie auch, welche Konsequenzen diese Perspektive für die Zukunft der Schreibpädagogik und das Schreiben mit KI haben könnte.

Abstract zum Vortrag
Is AI responsible for the homogenization of human language? Since the public launch of large language models, one of the most common concerns has been their tendency to produce clichés. Even as models improve and become more sophisticated, clichés persist, while generic formulations associated with AI increasingly creep back into human writing. Are clichés a mechanical extreme of language, a bug to be corrected as AI improves, or are they fundamental to humanlike language and therefore inescapable in AI as well?
This talk approaches these questions through the cultural history of the cliché, from its prehistory in ancient rhetorical topoi to the nineteenth-century invention of the printing cliché, the modern campaign against clichéd writing, and contemporary AI cliché-hunting. This history reveals how closely the rejection of cliché is bound up with the modern obsession with originality.
Drawing on a countertradition that sees clichés as an essential feature of language and communication, the talk finally considers what writing might look like beyond the modern demand for originality. Is it even possible for educators today to imagine writing no longer governed by this ideal? And what kind of pedagogy for writing with AI might emerge from reconsidering ancient practices of imitation and repetition in the age of generative AI?
Blockseminar: Machine Talk – What AI Reveals about Conversation
Am 1. und 2. Oktober 2026, jeweils von 9 bis 17 Uhr, leitet Nana Ariel ein Blockseminar für Studierende und Doktorand:innen in Raum 119 des Brechtbaus (Wilhelmstraße 50).
Im Seminar wird das Gespräch als rhetorische Gattung untersucht und gefragt, wie konversationelle KI auf menschliche Gesprächsformen zurückgreift und diese zugleich verändert. Ausgehend von der Geschichte der Gesprächsmaschinen bis zu heutigen Chatbots werden Gesprächs- und Konversationstheorien mit philosophischen und literarischen Texten verbunden. Dabei geht es unter anderem um Sprecherwechsel und Missverständnisse sowie um die Frage, was Dialoge mit Maschinen über das menschliche Gespräch verraten.
Das Blockseminar umfasst 3 ECTS-Punkte.
Anmeldung: unter Angabe von Name und Studiengang an seminar-orga@rhetorik.uni-tuebingen.de
Abstract zum Seminar
People mostly meet AI by talking to it, and talking to a chatbot involves far more than writing a good prompt. Conversations with AI range from exchanges for practical assistance to companionship, therapy, and literary experimentation. This short seminar explores conversation as a rhetorical genre, with its own structures, sub-genres, conventions, and clichés, and asks how AI draws on that genre and reshapes it, borrowing the cues of human talk while developing patterns of its own. We will trace the historical roots of conversational AI and follow them into contemporary chatbots. Reading conversation theory and philosophy alongside literary works, we will explore dialogues with machines, attentive to aspects such as turn-taking, misunderstanding, and repair. We will treat conversation as the constant management of potential breakdown, where moments of failure are often most revealing. In hands-on sessions, we will assess different forms of machine dialogue and ask what these exchanges reveal about how conversation works and how they might help shape more reflective interactions with machines.