Künstliche Intelligenz und Kaffee: Kaffeehausdebatte im Hospitalhof Stuttgart

Wie för­dern wir digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät und ver­hin­dern algo­rith­mi­sche Dis­kri­mi­nie­rung? Wel­che Stim­men sol­len gehört wer­den, wenn KI ein­ge­setzt wird? Wie kann sich die Gesell­schaft an der For­schung zur Künst­li­chen Intel­li­genz beteiligen? 

Am 22. Novem­ber 2024 luden das Cen­ter for Rhe­to­ri­cal Sci­ence Com­mu­ni­ca­ti­on Rese­arch on Arti­fi­ci­al Intel­li­gence (RHET AI) und das Inter­na­tio­na­le Zen­trum für Kul­tur- und Tech­nik­for­schung (IZKT) zur öffent­li­chen KI-Kaf­fee­h­aus­de­bat­te im Hos­pi­tal­hof Stutt­gart ein. Im Mit­tel­punkt stand die Bür­ger­be­tei­li­gung in der KI-For­schung, die an ver­schie­de­nen The­men­ti­schen gemein­sam mit Expert:innen behan­delt wur­de – in ent­spann­ter Café-Atmo­sphä­re und bei Kaf­fee-Spe­zia­li­tä­ten, die vom Baris­ta-Mobil des Café Hibou zube­rei­tet wurden.

Debat­tie­ren über KI: Die Thementische

Am The­men­tisch KI und Demo­kra­tie debat­tier­ten die Teil­neh­men­den mit Prof. Dr. Felix Hei­den­reich (Uni­ver­si­tät Stutt­gart) unter ande­rem über die Fra­ge: „Wie lässt sich ver­hin­dern, das KI-gene­rier­te Fake News die Demo­kra­tie zerstören?“

Am The­men­tisch Par­ti­zi­pa­ti­on, betreut von Dr. Elke Uhl (IZKT), ging es um Bür­ger­be­tei­li­gung bei der Ent­wick­lung neu­er Tech­no­lo­gien – soll­ten sol­che Ent­wick­lun­gen grund­sätz­lich par­ti­zi­pa­tiv statt­fin­den oder eher fach­li­chen Expert:innen über­las­sen werden?

Wel­che Daten soll­ten mit KI ein­fa­cher aus­ge­wer­tet dür­fen, wel­che nicht? Mit Kris­tof Meding [HH1]  (CZS Insti­tu­te for Arti­fi­ci­al Intel­li­gence and Law) dis­ku­tier­ten die Teil­neh­men­den über Daten­spen­den und Daten­schutz.

Dis­kri­mi­nie­rung, Bias, aber auch ganz neue Chan­cen der Ver­stän­di­gung waren The­ma am Tisch KI und Inter­kul­tu­ra­li­tät, der von Kerim Arpad (Deutsch-Tür­ki­sches Forum Stutt­gart) betreut wurde.

Wie müss­ten KI-Anwen­dun­gen aus­se­hen, die Bür­ger­be­tei­li­gung ermög­li­chen und wel­che struk­tu­rel­len Hür­den zu mehr digi­ta­ler Teil­ha­be müs­sen ange­gan­gen wer­den? Die­se Fra­gen dis­ku­tier­ten die Teil­neh­men­den mit Dr. Bri­git­te Rei­ser (Bera­te­rin für Non­pro­fits, Blog­ge­rin, Autorin) und Sabi­ne Kei­tel (Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung BW) am Tisch zu Digi­ta­ler Teil­ha­be und Nut­zung von KI für Betei­li­gung.

Zum Abschluss stell­ten die Expert:innen die Ergeb­nis­se aus den Debat­ten vor. Dar­un­ter waren auch die fol­gen­den Ein­schät­zun­gen und Bedürfnisse:

  • Die Nut­zung von KI-Anwen­dun­gen, die Ein­fluss auf die Poli­tik neh­men kön­nen (bspw. Anwen­dun­gen zur Gene­rie­rung von Fake News) ist ein Bereich, der durch die aktu­el­len EU-Regu­lie­run­gen nicht aus­rei­chend gere­gelt wird.
  • Bür­ger­be­tei­li­gung ist nicht nur bei Ent­wick­lun­gen der KI-For­schung, son­dern bei jeder neu­en Ent­wick­lung relevant.
  • Über­sicht­li­che­re Daten­schutz­er­klä­run­gen und trans­pa­ren­te Mög­lich­kei­ten, die eige­nen Daten wie­der zu löschen, könn­ten bewir­ken, dass Bürger:innen bes­ser über ihre Rech­te infor­miert sind und bereit­wil­li­ger Daten in sen­si­blen Berei­chen wie der Medi­zin zur Ver­fü­gung stellen.
  • KI-gestütz­te Über­set­zun­gen mögen das Risi­ko mit sich brin­gen, dass sprach­li­che Fein­hei­ten ver­lo­ren gehen, doch sie sind eine gro­ße Chan­ce für die Demo­kra­ti­sie­rung von Wissen.
  • Zivi­le Teil­ha­be steht immer wie­der vor der Her­aus­for­de­rung, von Poli­tik, For­schung oder ande­ren För­de­rern erst ange­sto­ßen wer­den zu müs­sen: Ein eige­ner För­der­topf wäre eine Mög­lich­keit, der Zivil­ge­sell­schaft mehr eigen­stän­di­ge digi­ta­le Teil­ha­be zu ermöglichen.

Han­nes Haß­mann (RHET AI Cen­ter), einer der Mode­ra­to­ren des World Cafés, zieht fol­gen­des Fazit: „In der Kaf­fee­h­aus­de­bat­te ist deut­lich gewor­den, dass ein gesell­schaft­li­ches Bedürf­nis besteht, an der KI-For­schung teil­ha­ben zu kön­nen und sich auch ein­zu­brin­gen. Sol­che Public-Enga­ge­ment-For­ma­te bie­ten der Wis­sen­schaft und der Zivil­ge­sell­schaft eine wich­ti­ge Gele­gen­heit, in einen gegen­sei­ti­gen und berei­chern­den Aus­tausch zu kommen.“


Der Bür­ger­rat „KI und Freiheit“ 

Die KI-Kaf­fee­h­aus­de­bat­te war eine Begleit­ver­an­stal­tung zum Bür­ger­rat "KI und Frei­heit". Von Sep­tem­ber bis Novem­ber 2024 tra­fen sich 40 zufäl­lig aus­ge­los­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger aus Baden-Würt­tem­berg im Bür­ger­rat, um ihre Per­spek­ti­ven in die KI-For­schung ein­zu­brin­gen. Am 10. März 2025 wer­den die Emp­feh­lun­gen an das Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst übergeben.