Jenifer Becker liest aus Zeiten der Langeweile.
Ausgehend von Jenifer Beckers Debütroman über einen Rückzugsversuch aus der digitalen Welt sprechen wir über menschliche (Selbst)wahrnehmung im Zeitalter maschineller Überproduktion von Zeichen. Bilder, Videos, Texte – ein endloser "stream of artificiality" sendet so viele potenziell bedeutsame Signale, dass oft nur noch Rauschen übrig bleibt.
Wie verändert eine KI-generierte Welt die Wahrnehmung unserer eigenen Persönlichkeit – als soziale Wesen, als Schreibende, als Kreative, als Wissende oder als unverfügbare Individuen? Brauchen wir in einer Welt der digitalen und künstlichen Überfülle wieder mehr Leere und Langeweile? Wie gewinnen wir Autonomie zurück, ohne zu verschwinden?
Eine multiperspektivische Diskussion über Kreativität, Psychologie, KI-Technologie und die Ideologien hinter unserer digitalen Gegenwart. Das Publikum nimmt dabei Einfluss darauf, worüber weiter diskutiert wird, indem es bruchstückhafte Zukunftsvisionen vorschlägt.
Die Veranstaltung findet am 30.10.2026 um 19 Uhr in der Shedhalle Tübingen statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Es ist keine Anmeldung nötig.
Beteiligte:
Dr. Jenifer Becker
Jenifer Becker ist eine in Berlin lebende Autorin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Sie schreibt über Ambivalenzen des Digitalen, Gegenwartsphänomene und Popkultur. Ihr Debütroman Zeiten der Langeweile erschien 2023 bei Hanser Berlin. Sie lehrt seit 2015 am Literaturinstitut Hildesheim, wo sie 2021 promovierte. In aktuellen künstlerisch-wissenschaftlichen Projekten forscht sie zum Einfluss lernfähiger Technologien (KI) auf Schreibprozesse. Sie gibt Workshops zu Kreativem Schreiben und Schreiben mit Künstlicher Intelligenz.
(Lesung & Diskussion)
Nancy Hünger
Nancy Hünger studierte an der Bauhaus Universität Weimar Freie Kunst und arbeitete anschließend als freie Autorin – unter anderem als Stadtschreiberin in Tübingen (2018) und Jena (2011). Seit 2022 leitet sie das Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen. (Moderation)
Dr. Markus Gottschling
Markus Gottschling ist wissenschaftlicher Koordinator des RHET AI Centers und forscht und lehrt zu Literatur, Rhetorik und Wissenschaftskommunikation an der Universität Tübingen. Er setzt sich in seiner Forschung mit der Beschreibung der Wirkung von generativer KI auseinander, insbesondere mit ihrem wachsenden Einfluss auf die Kommunikation. (Moderation)
Prof. Dr. Markus Huff
Markus Huff ist Professor für Angewandte Kognitionspsychologie an der Universität Tübingen und Leiter der AG Wahrnehmung und Handlung am Leibniz Institut für Wissensmedien (IWM). Er erforscht narrative Kognition – also wie Menschen kohärente mentale Modelle dynamischer Ereignisse in Umgebungen aufbauen, die zunehmend von KI-Agenten mitgestaltet werden. (Diskussion)
Dr. Nora Freya Lindemann
Nora Freya Lindemann ist Philosophin und KI-Ethikerin. Sie arbeitet als Postdoktorandin im Norms and Practices Lab des Exzellenzclusters Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft an der Universität Tübingen. In ihrer Forschung verbindet sie Ethik der KI, feministische Wissenschaftstheorie sowie kritische Theorien des Digitalen. (Moderation & Diskussion)